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Angst zu haben ist in bestimmten Situationen ganz natürlich

Die meisten Kinder und Jugendlichen kennen Ängste. Angst kann lebensrettend sein, da sie uns in die Lage versetzt, bei Gefahr schnell handeln zu können. Angst betrifft den ganzen Menschen. Sie zeigt sich in körperlichen Reaktionen: Das Herz schlägt schneller, wir schwitzen und atmen schneller. Angst äußert sich auch in sorgenvollen Gedanken und Gefühlen. Und schließlich zeigt Angst sich auch im Verhalten, wenn wir etwa versuchen, zu fliehen.

Doch wann wird die Angst bei Kindern und Jugendlichen zur Krankheit?
Zur Entwicklung einer Angststörung kann es kommen, wenn die Angst unangemessen stark wird, sie ungewöhnlich häufig auftritt und sie scheinbar nicht mehr zu kontrollieren ist. Ständige Angst ist sehr belastend und anstrengend. Kinder und Jugendliche sind dann in ihrem Alltag sehr eingeschränkt, sie vermeiden z.B. Situationen, in denen sie Angst haben könnten. Dies führt zu einem großen Leiden bei ihnen selbst, aber auch in der Familie und zu vielen Problemen im Alltag.

Angst kann in vielen Formen auftreten. Manche Kinder haben Angst vor bestimmten Situationen oder Dingen. Andere haben Angstattacken oder unterschwellige Ängste unabhängig von konkreten Situationen. Einige Angststörungen werden im Folgenden dargestellt.

Wann spricht man von Trennungsangst?

Trennungsangst tritt typischerweise im Kindesalter auf, z.B. in der Kindergartenzeit oder zu Beginn der Schulzeit. Die betroffenen Kinder haben Angst, dass ihren Eltern etwas zustoßen könnte. Sie haben anhaltende und unangemessene Angst, allein zu sein. Besonders die Trennungen von den Eltern sind angstbesetzt, z.B. der Abschied morgens im Kindergarten oder in der Schule oder die abendliche Bettgehsituation. Um die Angst zu kontrollieren, verweigern die Kinder, sich von den Eltern zu trennen. Kinder mit Trennungsangst haben deswegen oft Probleme, bei Freunden oder Verwandten zu schlafen. Häufig ist ihnen die Angst selbst gar nicht bewusst und sie leiden eher unter körperlichen Symptomen wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Kopfschmerzen.

Nicht selten fällt auch den Eltern die Trennung vom Kind schwer.

Ein Vater hat sein kleines Kind an der Hand und beide gehen über einen Holzsteg über den Strand zum Meer

Was sind soziale Ängste?

Kinder und Jugendliche mit sozialen Ängsten haben insbesondere Furcht vor prüfender Betrachtung und davor, durch Gleichaltrige in kleinen Gruppen angesprochen zu werden. Sie haben Angst, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen oder fürchten sich, peinlich zu verhalten. Aufgrund der Angst meiden sie bestimmte Situationen oder ertragen diese nur unter Angst, z.B. das Essen oder Sprechen in der Öffentlichkeit, Referate in der Schule, Partys oder Gruppensituationen auf dem Schulhof. Meist leiden Kinder und Jugendliche mit sozialer Angst unter einem niedrigen Selbstwertgefühl und haben Angst vor Kritik. Sie fürchten, etwas Peinliches zu tun, beispielsweise zu erröten, zu zittern oder ganz dringend zur Toilette gehen zu müssen und vermeiden deshalb Kontakt zu anderen Menschen.

Was ist eine Leistungsangst und welche Anzeichen und Beschwerden treten bei betroffenen Kindern und Jugendlichen auf?

Viele Kinder und Jugendliche haben vor Prüfungssituationen oder Leistungsanforderungen Ängste, z.B. bei Referaten oder Klassenarbeiten. Von einer Leistungsangst spricht man dann, wenn die Ängste so stark ausgeprägt sind, dass die Betroffenen die entsprechenden Situationen vermeiden oder durch die Angst sehr stark beeinträchtigt sind und die Aufgaben nicht entsprechend ihrer Begabung bewältigen können.

Was ist eine spezifische Phobie?

Spezifische Phobien bezeichnen Ängste vor ganz bestimmten Situationen oder Dingen. Hierzu gehört beispielsweise Angst vor bestimmten Tieren (z.B. Spinnen), großer Höhe, geschlossenen Räumen und vieles mehr. Aber auch die Angst vor Blut und Verletzungen gehört zu den spezifischen Phobien. Das Erleben dieser Situationen kann zu starken Angstattacken führen. Kinder und Jugendliche mit dieser Form von Angst vermeiden daher entsprechende Situationen und sind dadurch in ihrem Alltag eingeschränkt.

Was ist eine Panikstörung?

Die Panikstörung ist nicht auf eine spezifische Situation begrenzt. Ihre wesentlichen Kennzeichen sind immer wiederkehrende, besonders starke Angstattacken. Diese Panikattacken können ganz plötzlich in kurzer Zeit auftreten und gehen z.B. einher mit Herzklopfen, Schmerzen in der Brust, dem Gefühl zu ersticken, Schwindel und dem Gefühl, nicht man selbst zu sein. Zudem kann auch Angst zu sterben, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden, auftreten. Meist dauern Anfälle nur wenige Minuten, sie können aber auch länger dauern. Da diese unabhängig von bestimmten Situationen auftreten, sind sie für die betroffenen Kinder und Jugendlichen auch nicht vorhersehbar. Sie leiden deshalb unter ständiger Angst vor erneuten Panikattacken und vermeiden oft alltägliche Situationen aus „Angst vor der Angst“.

Wie kann erkannt werden, ob mein Kind an einer Angststörung erkrankt ist?

Meist bemerken Kinder und Jugendliche mit Angststörungen selbst, dass etwas nicht stimmt, und sie leiden enorm unter ihren Ängsten. Manchmal sind es auch die Eltern oder andere enge Bezugspersonen, wie Erzieherinnen oder Erzieher bzw. Lehrerinnen oder Lehrer, die auf die Problematik aufmerksam werden und denen auffällt, wie stark das Kind durch die Ängste am normalen Alltagsleben gehindert wird. Eine Kinder- und Jugendpsychiaterin oder –psychiater oder Psychotherapeutin oder -therapeut kann durch ein ausführliches Gespräch das Ausmaß erfassen und die Erkrankung einordnen. Fragen zur Lebensgeschichte Ihres Kindes und zur Familie können hilfreich sein, um zu verstehen, wie die Erkrankung sich entwickelt hat, wie im Umfeld des Kindes damit umgegangen wird und ob es andere Familienmitglieder mit Angststörungen gibt. Unterstützend werden auch Fragebögen und psychologische Tests eingesetzt.

Wie kann eine Angststörung behandelt werden?

Wenn ausgeprägte Ängste nicht behandelt werden, können sie lange andauern und sich verfestigen. Wichtig ist es daher, frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen. Das Wissen über die Erkrankung und den hilfreichen Umgang damit lernen die Kinder, aber auch Sie als Eltern, in psychotherapeutischen Gesprächen. Die Therapie hilft den Kindern und Jugendlichen dabei, sich ihren Ängsten zu stellen und sich nicht mehr durch ihre Ängste einschränken zu lassen. Die Kinder können lernen, die Ängste zu kontrollieren und sich nicht von ihnen kontrollieren zu lassen. Die Auseinandersetzung (Konfrontation) mit den Ängsten kann in Gedanken, aber auch in der Realität stattfinden. Wichtig ist ein schrittweises Vorgehen, wobei das Kind oder die bzw. der Jugendliche die Situationen zunächst in Begleitung und später alleine meistert. Ziel ist dabei eine Gewöhnung an die angstauslösende Situation. Um sich Ängsten stellen zu können, müssen zunächst Gedanken verändert werden. Hierzu ist es wichtig, mit Hilfe der Psychotherapeutin oder des Psychotherapeuten die Gedanken hinter der Angst erkennen und verstehen zu können. Danach erst können Gedanken gewandelt werden. Dadurch fühlen sich Betroffene nicht mehr so hilflos gegenüber ihren Ängsten.

Neben der psychotherapeutischen Behandlung können bei schweren Ängsten auch Medikamente hilfreich sein, beispielsweise Antidepressiva. Medikamente können die Angst und die Stimmung verbessern. Angsterkrankte werden dann wieder aktiver und ziehen sich weniger zurück.

Wo bekomme ich Hilfe für mein Kind?

Die Angststörung ist eine der häufigsten psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Jedes zehnte Kind leidet mindestens einmal darunter. Für eine erfolgreiche Behandlung von Ängsten, welche die Kinder und ihre Familien im täglichen Leben stark einschränken, ist frühzeitige fachkundige Hilfe wichtig. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt, eine Kinder- und Jugendpsychiaterin oder -psychiater oder Kinder- und Jugendpsychotherapeutin oder -therapeut können Gesprächspartnerin oder -partner sein.

Wenn Kinder und Jugendliche eine Angststörung haben, ist meistens eine Psychotherapie sinnvoll. Meist ist eine ambulante Psychotherapie ausreichend. Hierfür stellen die LWL-Klinken ein Netz aus Institutsambulanzen bereit. In einigen Fällen ist auch eine stationäre oder tagesklinische Behandlung sinnvoll oder notwendig.

Da Ängste oft auch zu Problemen in der Schule führen, spielt im Rahmen der stationären oder tagesklinischen Behandlung die Fortsetzung und ein Gelingen des Schulbesuchs eine wichtige Rolle.

Genauere Informationen zu Therapie- und Hilfsangeboten finden Sie unter den folgenden Links:

Wie können Eltern die Behandlung unterstützen?

Bieten Sie Ihrem Kind ein Gespräch unter vier Augen an. Sprechen Sie mit ihm darüber, dass zwar jeder mal ängstlich sein kann, Sie aber merken, dass sie bzw. er nun aber schon länger sehr durch starke Ängste beeinträchtigt wird und diese vieles im Alltag schwierig machen. Erklären Sie Ihrem Kind, dass Sie über das Gespräch hinaus gerne mit jemandem sprechen möchten, der sich mit psychischen Problemen gut auskennt und der ihr bzw. ihm helfen kann.

Je früher eine Behandlung beginnt, umso erfolgreicher wird sie sein. Für den optimalen Verlauf einer Therapie ist Ihr Mitwirken als Eltern wichtig. Es ist wichtig, dass sich Ihr Kind den Ängsten stellt und nicht Situationen vermeidet, die ihm Angst machen. Dabei können Sie das Kind unterstützen.

Es ist gut, möglichst viel über die Erkrankung zu wissen. Nutzen Sie Informationsmöglichkeiten. Nehmen Sie die Erkrankung und Ängste Ihres Kindes ernst und versuchen Sie, es bei einem Angstanfall zu beruhigen. Seien Sie dabei nicht zu fürsorglich. Vermeidungsverhalten sollte nicht unterstützt werden. Hilfreicher ist es, Ihr Kind zu ermutigen, sich in kleinen Schritten der Angst zu stellen. Hierbei bietet es sich an, in Absprache mit der Therapeutin oder dem Therapeuten Ihr Kind in Situationen zu begleiten, die mit der Angst zusammenhängen. Das wird Ihrem Kind Sicherheit geben. Wenn Sie behutsam vorgehen, werden sich bald Erfolgserlebnisse einstellen und Ihr Kind wird so zu mehr Selbstständigkeit ermutigt.

Bitte vergessen Sie bei aller Unterstützung nicht, dass Sie eigene Bedürfnisse haben. Sorgen Sie auch für sich.

Informationen zu Selbsthilfegruppen finden Sie hier: